Macht
Shownotes
Macht gilt vielen als etwas Gefährliches. Sie wird mit Manipulation, Unterdrückung oder Missbrauch verbunden. Doch Macht ist weit mehr als das.
In diesem ersten Schnipsel fragt Antje Schnoor, was unter Macht eigentlich zu verstehen ist. Sie stellt klassische Machtdefinitionen vor, erläutert die Unterschiede zwischen formaler und informeller Macht in Organisationen und zeigt, warum Macht kein Charaktermerkmal einzelner Personen, sondern ein Merkmal sozialer Beziehungen ist.
Ein kurzer Impuls über Macht, Führung und die Frage, wie Einfluss in Organisationen entsteht.
Zentrale Gedanken
- Macht ist zunächst ein sozialwissenschaftlicher Analysebegriff.
- Macht entsteht in sozialen Beziehungen und nicht allein durch persönliche Eigenschaften.
- In Organisationen existieren sowohl formale als auch informelle Machtquellen.
- Führung setzt Macht voraus, ihre Wirksamkeit hängt jedoch von sozialen Beziehungen und organisationalen Kontexten ab.
- Machtverhältnisse sind komplexer, als einfache Ursache-Wirkungs-Modelle nahelegen.
Literatur und weiterführende Hinweise
Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft, Tübingen: Mohr, 1980 (5. Auflage)
Niklas Luhmann: Macht im System, Berlin: Suhrkamp, 2012.
Stefan Kiechle SJ: Macht ausüben, Würzburg: Echter Verlag, 2005.
Podcast
Eine Frage der Macht. Gespräche zu Führung und Verantwortung in Organisationen
Moderation: Antje Schnoor
Transkript anzeigen
00:00:07: Hallo und herzlich willkommen zu.
00:00:28: eine Frage der Macht, Schnipsel.
00:00:30: Mit diesem Format den Schnipseln ergänze ich die Gespräche zur Führung und Verantwortung in Organisationen und beleuchte jeweils zentrale Begriffe.
00:00:40: Dabei schaue ich mir einzelne Facetten an ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
00:00:46: Heute geht es um den Begriff Macht.
00:00:49: Macht ist ein Begriff, der oft negative Reaktionen auslöst.
00:00:53: Viele Menschen verbinden mit Machtmanipulation, Unterdrückung oder Missbrauch und dafür gibt es ja auch gute Gründe denn wir sind tatsächlich oft umgeben von Machtmissbrauch.
00:01:03: Es ist hier auch ein Thema in einigen Folgen dieses Podcasts.
00:01:07: aber Der Machtbegriff lässt sich nicht auf Manipulationen und unterdrückungen reduzieren beschreibt zunächst einmal die Möglichkeit, auf andere Menschen oder auf Entscheidungen Einfluss zu nehmen.
00:01:21: Und überall da wo Menschen zusammenkommen und insbesondere zusammenarbeiten entstehen solche Einfluchsverhältnisse in Organisationen, in Familien, in der Politik oder auch in Freundschaften.
00:01:35: Wenn wir den Blick auf Organisationen richten lässt sich feststellen das auch Führung ohne Macht kaum denkbar wäre.
00:01:42: Führungskräfte brauchen bestimmte Möglichkeiten, Entscheidungen zu treffen und diese Entscheidungen umzusetzen.
00:01:52: Gleichzeitig verfügen aber auch Mitarbeitende übermacht – etwa durch Fachwissenerfahrung, Netzwerke oder die Möglichkeit Veränderungen mitzutragen, zu bremsen oder eben still zu unterlaufen.
00:02:05: Hier können wir in Organisationen unterscheiden zwischen formaler und informeller Macht.
00:02:10: Dazu komme ich später noch.
00:02:12: Zunächst ist jedenfalls wichtig Macht ist nicht per se gut oder schlecht.
00:02:20: Oder um es mit dem Jesuiten Stephan Kiechle zu sagen, die Ambevalenz liegt nicht in der Existenz von Macht sondern in ihrem Gebrauch.
00:02:34: Macht is also erst mal ein neutraler Begriff.
00:02:36: Es hat sowohl das Schulkindmacht als auch der Lehrer der den Baldern wieder zurückgibt.
00:02:42: Es hat so wohl der Betrügermacht, der sich das Geld seiner Opfer aneignet die Richterin, die ihn dafür verurteilt.
00:02:50: Es gibt keine allgemeine Machtdefinitionen auf die sich alle einigen könnten – es gibt im Gegenteil unzählige Machtdefunktionen, die auch in ganz unterschiedliche Richtungen gehen.
00:03:01: und dennoch die wohl am häufigsten zitierte Machtdefonation stammt von Max Weber.
00:03:07: Ich wiederhole sie hier nochmal.
00:03:08: Macht bedeutet jede Chance innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen.
00:03:18: Gleich viel worauf diese Chance beruht.
00:03:24: Später formulierte Robert Dahl ganz ähnlich, A hat Macht über B Wenn a b dazu bringen kann etwas zu tun was b sonst nicht getan hätte.
00:03:37: Wir sprechen hier sowohl bei Weber als auch bei Dahl von klassischem Machtdefinition.
00:03:43: Ich möchte die Definition von Weber noch ein wenig auseinandernehmen.
00:03:48: Er sagt, Macht bedeutet jede Chance innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen.
00:03:57: Wir geht es hier um den Begriff Widersträben das heißt Es kann ein Widerstrebend geben es kann aber auch sein dass die Person einfach zustimmt.
00:04:07: der Widerstand des Widerstäbens ist keine Voraussetzung für einen Machtverhältnis nach Weber wenn Menschen freiwillig zustimmen sprechen wir oft eher von Einfluss als von Macht.
00:04:19: Das heißt, Einfluß und Macht liegen sehr nah beieinander.
00:04:23: es handelt sich beide Male um eine Form sozialer Steuerung.
00:04:29: ein weiterer Punkt ist das Ende.
00:04:32: er beginnt mit macht ist jede Chance den eigenen Willen durchzusetzen und endet mit gleich viel worauf diese Chance beruht.
00:04:42: dass impliziert eine große Offenheit.
00:04:45: Die Chance kann sowohl die Waffe sein, die man jemandem an den Kopf fällt als auch das Wissen dass mal einer anderen Person zur Verfügung stellt und dass die andere Person dann dazu bringt etwas Bestimmtes zu tun.
00:04:59: Schauen wir jetzt nochmal auf die Macht in Organisationen und konkret auf die macht von Führungspersonen.
00:05:06: Dass eine Person eine Führungshrolle einnimmt, heißt noch nicht dass sie in allen Situationen über Macht verfügt.
00:05:13: Ihre Macht hängt letztlich auch davon ab ob sie anerkannt wird, ob sie Vertrauen genießt und ob die Menschen bereit sind mitzugehen.
00:05:23: Es gibt in Organisation Formale Macht also Macht durch Hierarchie Position oder Entscheidungsbefugnisse Und es gibt Inorganisation Informale Macht.
00:05:33: Beispielsweise gibt es Menschen mit sehr hoher Reputation, mit guten Netzwerken oder mit wichtigen Fachwissen und all diese Aspekte können eine Person sehr einflussreich machen.
00:05:43: Auch ohne Führungspositionen!
00:05:46: Gerade in Veränderungsprozessen zeigt sich das oft sehr deutlich – Ein Team kann eine Entscheidung formal akzeptieren und sie trotzdem zum Schluss still ausbremsen.
00:05:59: In katholischen Jesuiten-Ordnen gibt es einen Spruch, der genau diese Problematik sehr deutlich macht.
00:06:04: Nun muss man hinzufügen, dass bei den Jesuiten – das ist wichtig für dieses Verständnis – Leitungsposition rotieren und in der Regel nur auf Zeit besetzt werden.
00:06:14: Der Spruch lautet also «Sei nett zu deinem Oberen!
00:06:18: Er könnte zu deinim Untergebenden werden».
00:06:21: Das ist Ausdruck des Bewusstseins davon, dass die tatsächliche Macht einer Führungsperson sehr begrenzt sein kann und wie stark das Handeln der Führungsperson eben von den Menschen abhängt, die sie offiziell führen soll.
00:06:40: Und genau hier beginnt auch eine wichtige Kritik an klassischen Machtvorstellungen.
00:06:45: Man könnte sagen, dass in den klassischen Macht-Definitionen Macht gewissermaßen als einer Eigenschaft einer Person verstanden wird – eine Person verfügt über Macht.
00:06:57: sie besitzt macht die sie anwenden kann.
00:07:00: Tatsächlich handelte sich bei der Macht aber viel eher um ein Charakteristikum sozialer Beziehungen.
00:07:10: Ich möchte hier auch noch als Beispiel ein Kritikpunkt von Niklas Luhmann an den klassischen Machtvorstellungen herausgreifen.
00:07:17: Ein zentraler Kritik Punkt Luhmans ist, dass die klassische Machtdefinition eine Kausalitätsbeziehung unterstellen, die dazu auch noch voraussehbar ist – das genau bedeutet das jetzt!
00:07:34: Die klassische Theorie tut manchmal so, als könnte man eindeutig sagen Person A verursacht das Verhalten von Personen B. Aber in sozialen Situation ist es oft gar nicht so ganz klar, was dort durch wen verursach wird.
00:07:50: Wenn jetzt beispielsweise ein Team einer Führungsperson folgt – geschieht das wegen ihrer Macht?
00:07:57: Oder weil die Idee überzeugend war oder weil niemand diskutieren wollte?
00:08:02: Oder auch weil ohnehin alle derselben Meinung waren?
00:08:06: Soziale Situationen sind also komplexer als einfache Ursache-Wirkungmodelle.
00:08:13: Wir können am Ende nicht sagen, warum das Team so gehandelt hat.
00:08:19: Neben dieser Kausalitätsbeziehung die eben nicht notwendigerweise zutrifft gibt es nach Luhmann zudem das Problem dass klassische Machtdefinition davon ausgehen, Voraussetzung für die klassischen Machtdefinitionen ist, dass der Machthaber weiß wie sein Gegenüber handeln würde bzw.
00:08:47: nicht handeln würden wenn er unbeeinflusst bliebe – das dessen Handeln beziehungsweise Nichthandeln also schon feststeht und von Anfang an entschieden ist.
00:08:56: Das impliziert aber die Premisse einer objektiv feststehenden Zukunft Und das ist so nur man eben einfach nicht zutreffend, dass es eine solche objektiv feststehende Zukunft gibt.
00:09:12: Noch mal die wichtigsten Punkte zusammengefasst.
00:09:15: Erstens Macht ist nicht gut oder schlecht sondern erst einmal ein wertneutraler Begriff.
00:09:20: Zweitens Macht is keine Eigenschaft einer Person sondern ein Charakteristikum sozialer Beziehungen.
00:09:29: Drittens in Organisationen gibt es formale Macht in Form von Hierarchien und informelle Macht, und schließlich viertens – Macht ist in sozialen Beziehungen immer vorhanden.
00:09:41: Die Frage ist wie man verantwortungsvoll mit ihr umgeht?
00:09:46: Und genau darum geht es im Podcast.
00:09:48: eine Frage der Machtgespräche zur Führung Mit der Soziologin und ehemaligen Präsidentin der Universität Paderborn Birgit Riegraf werde ich darüber sprechen, wie ein steigender Frauenanteil Entführungsposition bestehende Machtordnungen in Organisationen herausfordert.
00:10:08: Der Jesuit Klaus Mertes wird unter anderem darlegen warum Hinweise auf Fehlverhalten- und Machtbesbrauch als Bedrohung der Institution gelesen werden.
00:10:18: Und die Wirtschaftsetiker wenn an der Dekleinfeld wir zeigen Wie macht?
00:10:23: Führung und Organisationskultur darüber entscheiden, ob Verantwortung in Unternehmen tatsächlich gelebt wird oder eben bloß auf dem Papier steht.
00:10:33: Hören Sie rein!
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